PALOMBIÈRES

Fotos und Videos von Roland Fuhrmann

05 / 07 / 19 bis 31 / 08 / 19

Der Wald ist ein mythischer Sehnsuchtsort, ein Hort scheinbar heiler, Seelen heilender Natur. Doch auch im Südwesten Frankreichs ist der Wald geschrumpft auf wenige Inseln inmitten intensiver Landwirtschaft. Auf diese Oasen ziehen sich die Paloumayres zurück – im normalen Alltag Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Sie entfliehen temporär ihrer Alltagswelt in den Freiraum einer Gegenwelt. Sie verbinden sich mit dem Wald, um dem Jagdwild auf Augenhöhe begegnen zu können. Dazu schaffen sie sich ihre eigene kleine Wildnis als eine Art widerspenstigen Akt gegen gesellschaftliche Normen und Zwänge. Es ist eine Rebellion gegen die Realität und eine triebhafte Verbindung zum Urwüchsig-Kreatürlichen.

Den Mittelpunkt bildet die Palombière. Dieser Bau wird für die Paloumayres zur Lebensaufgabe. Das stets unfertig erscheinende, rastlos wuchernde Gebilde mit undefinierbarer Geometrie ist in seiner mystischen Erscheinung eine Architektur der Anarchie, emporgereckt bis über die Wipfel der umstehenden Bäume. In ihrer Imperfektion verkörpert sie die perfekte Improvisation, zusammengestückelt aus Fundstücken und Restmaterialien. Ein verhüllter Aufgang, ein versteckter Fahrstuhl und getunnelte Gänge in mehrere Richtungen verwurzeln den Bau mit dem Waldboden und verlieren sich in der gestalteten Wildnis. Die dabei entstandene Vielfalt der Materialien, Formen und Konstruktionen ist beeindruckend. Die variantenreichen Gehäuse verschmelzen zuweilen so kongenial mit dem Wald, dass wohl weniger von Bauformen als vielmehr von Wuchsformen gesprochen werden sollte.

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Die Palombière ist ein bewohnbarer Gemeinschaftsbau mit voll ausgestatteter Küche im Zentrum. Sie entsteht in Zusammenarbeit von Freunden und steht für deren Zusammenhalt. Sie ist gastlicher Ort der Einkehr und Symbol des Miteinanders bei Wein und gutem Essen. Doch zugleich ist sie tödliche Falle. Ihre ursprüngliche Zweckbestimmung dient der Jagd auf die Schwärme der Ringeltauben (Palombe) Nordosteuropas auf ihrem Weg ins spanische Winterquartier. Aus einer alten Tradition entwickelte sich im letzten Jahrhundert diese extrem aufwendige Jagdtechnik. Das über Seilzüge fernbedienbare Netz mit lebenden Lockvögeln ähnelt mehr dem Angelsport als der Jagd. Dabei ist die gemeinsame Tätigkeit an sich längst viel wichtiger geworden als die Fangquote. Für Außenstehende ist eine derartige Negativbilanz mit Vernunft nicht vereinbar.

Als Künstler und Bauforscher faszinieren mich diese dilettantisch-genialen Wildwüchse unkontrollierter Baukunst immer wieder aufs Neue. Sie bilden den nonkonformen Gegenentwurf zu unserer hoch technisierten Welt. Mit ihrer kraftvollen Formensprache können einige durchaus als antiakademische Werke der Art brut gesehen werden. Deshalb habe ich mein 2008 begonnenes Projekt 2018 weitergeführt und mich erneut wie ein Paläoanthropologe durch das Gestrüpp Aquitaniens geschlagen, über 80 dieser Palombières aufgesucht und für diese Ausstellung fotografisch und filmisch erschlossen – Silence, palombière!
Roland Fuhrmann

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Zur Ausstellung
Palombières

servieren wir das Menü:
Die Küche Aquitaniens

Wir servieren, vorzugsweise im Garten unter einem Tarnnetz, einige Gerichte aus der „Küche Aquitaniens“ wie sie in einem gastlichen, gemeinsamen Mahl unter Freunden in der Palombière gegessen werden.

Rillette/Confit de Canard
Salade
Poisson poché au Beurre Blanc
Salmis de Palombes
Poulet Rôti
Fruits flambée

SORONG 1962

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SORONG 1962

Installation von Alfred Banze, Wendela de Vries, Tanya von Barnau Sythoff

02 / 12 / 17 bis 03 / 02 / 18

In meiner Familie gab es ein, zwei Fotoalben und das Kochheft meiner Mutter, ab und zu einen Diaabend, wenn sich Freunde aus jener Zeit mal blicken ließen, mehr nicht. Mein Vater, der sich als niederländischer Offizier freiwillig nach Sorong meldete, sprach selten bis nie über die Zeit, die wir dort verbracht haben.

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Ebenso wenig sprach er über seine Kindheit in Indonesien, zu viele unverständliche Dinge waren dort passiert. Er war sechzehn, als er mit einem Schiff von Jakarta nach Amsterdam kam. In den Niederlanden lernte er meine Mutter kennen, während er an der Königlichen Militärakademie als Offizier ausgebildet wurde. Im Frühjahr 1960 brach er nach Neuguinea auf, das damals noch Niederländisch Neuguinea (NNG) hieß, der westliche Teil einer der großen Inseln: Papua Neuguinea. Endlich war er wieder zurück in den Tropen. Ich war gerade einmal ein paar Monate alt, als meine Mutter ihm nachreiste. Im Jahr 1962 übergaben jedoch die Niederlande ihre letzte Kolonie in Asien an Indonesien.

Warum Neuguinea? Unausgesprochen hat mich die Erfahrung Neuguinea mein Leben lang begleitet. Jetzt möchte ich sie auf den Tisch bringen. Mein Kindheits(t)raum und ein weltpolitisches Spiel zwischen den Mächtigen der Erde. Und warum erhalten die Papua nicht endlich ihr Selbstbestimmungsrecht?

Die beiden niederländischen Künstlerinnen Tanya von Barnau Sythoff und Wendela de Vries, die als Kleinkinder ihre ersten „Entdeckungen der Welt“ in Sorong machten, bringen ihre frühesten Kindheitserinnerungen zusammen. Sie laden Sie ein mit auf die Reise zu gehen in eine Zeit, die sich durch das Aufeinanderprallen knallharter wirtschaftlicher Interessen und uralter Kulturen auszeichnet. Dazwischen fand sich eine Gruppe junger Menschen wieder, die gezwungen oder freiwillig, ein idealistisches politisches Ziel ermöglichen sollten.

Der dritte Künstler im Bunde ist Alfred Banze aus Berlin. Er steht für das Jahr 2017, in dem er vor Ort mit indigenen Künstlern in Sorong Musik und Workshops macht. Es gibt während der Ausstellung ein digitales Skizzenbuch, das die Form eines Cadavre Exquis annimmt und an dem Alfred in Sorong und Tanya in Berlin arbeiten werden. Sorong, 1962, ist der Anfang eines reisenden Projekts, das sich auf die lokalen Geschichten der jeweiligen Station einlässt.

Den Raum im Zagreus Projekt kann man sich als einen Wagon in einem Zug vorstellen, in dem Gespräche geführt werden, sich verändernde historischen Landschaften vorüberziehen und ab und zu die Düfte ferner Länder vorbei wehen.

Wir servierten das Menü RIJSTTAFEL

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Gulei Ikan:
Gebratener Barsch mit Currysauce und Kokosmilch

Soto Bebek:
Klare Suppe mit Ente, Süsskartoffel und Taro

Nasi Ramas: Kleine Reistafel
Saté: Spieße vom Schwein mit Erdnusssauce
Sambal Goreng Boontjes: Mit grünen Bohnen
Bendeng Ragi: Geschmortes Rind mit gebratenen Kokosraspel
Sajur Lodéh: Verschiedene Gemüse mit Chili und Kurkuma in Kokossauce

Kardamom-Eis mit Papayasamen
Mango-Kokos Smoothie
Gebratene Papaya mit Langpfeffer und Limonenöl
Kopi Tubruk: Indonesischer Kaffee

BARBARA SIEBECK_polaroids

Siebeck Zagreus Koch Kunst Galerie Berlin

BARBARA SIEBECK_polaroids
Traum / Erwartung / Überraschung / Amüsement

Kuratiert und gestaltet von Claudius Pratsch

28 / 11 / 2015 bis 30 / 01 / 2016

Barbara Siebeck hat während der Gastronomiereisen mit ihrem Ehemann, dem bekannten Gastrosophen Wolfram Siebeck eine grosse Anzahl von Polaroids gefertigt, die die Wege der besuchten Orte, Speisetafeln der Beiden und Kochexperimente von Wolfram Siebeck auf eigentümliche Weise dokumentieren.

Im Frühjahr 2015 erschien das Buch „Die Siebeck-unterwegs mit ihm“ bei der Edition Rombach, in dem ein Teil dieser Aufnahmen mit Texten von Barbara Siebeck zusammengestellt wurden.

Wir zeigen eine Auswahl der Sofortbidfotografien in einem von Claudius Pratsch entwickelten Ausstellungskonzept. Zur Einführung unterhält sich Prof. Dr. Wolfgang Ulrich am Eröffnungsabend mit Barbara Siebeck.

Siebeck Zagreus Koch Kunst Galerie

Menü „Siebeck“
Nach Rezepten und Texten des Gastrosophen Wolfram Siebeck

Mit Verbene gedämpfte Garnelen, Safransauce und Kartoffelpüree á la Girardet
Vegetarisch: Berglinsensuppe mit Mangold und Safran

Champagnerkutteln
Vegetarisch: Risotto mit Steinpilzen, Wurzelgemüse und Kräutersaitlingen

Perlhuhn mit Couscous und Trockenfrüchten
Vegetarisch: Tagliatelle mit Morcheln und Sahne

Mahlberger Schlosskuchen mit Walnussparfait

Weinbegleitung mit Apéritif, passenden Weissweinen und Rotwein,
Wasser und Kaffee