EINWÄNDE II

EINWÄNDE II

Installation von Marco P. Schäfer

Die von Wand zu Wand, Boden zu Decke reichenden Collagen, oder Messerschnitte aus bunten Papierstreifen unterschiedlichster Länge, Breite, Farbe und Form scheinen die Wände mal lauter mal leiser in Schwingung zu setzen. Es gibt kein Oben, kein Unten, keinen Anfang, kein Ende, sondern nur die geballte oder fragilere Kraft von Form und Farben gepaart mit der ephemeren Leichtigkeit des Papiers.

Egal ob skizzengroß oder raumfüllend schafft Schaefer seine Arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Der Träger ist ein weißer, durch Grundformen verstärkter Papierrahmen. Aus zuvor mit Acryl kolorierten Bögen aus hochwertigem Papier schneidet Schaefer mit dem Cuttermesser verschiedenste Streifen und Formen, die anfangs eher spontan intuitiv, später in präzisen Schritten arrangiert und mit Kleber fixiert werden. In dieser Arbeitsphase verwandelt sich Schaefer in einen Pollock des Papiers: konzentriert, in ständiger Bewegung und seiner inneren Musik folgend kreiert er seine Großformate.

Denn eigentlich ist Schaefer ein Zeichner, inspiriert von der gebräuchlichen Bildsprache der Werbung und des Comic. Geprägt aber auch vom barocken Stil der Kirchen, mit ihren ausufernden Formen, wie er sie aus seiner alten süddeutschen Heimat kennt. Dieses ausufernde, fast schon psychedelisch wirkende, trifft in seiner Arbeit auf das streng formalistische. Dadurch wirken seine Arbeiten trotz der Strenge oft fast „locker und leicht“.

„Die Kompositionen können von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten, umgekehrt oder gespiegelt, auch negativ, als Buchstaben, Runen, Noten, Ornamente, Codes, Ziffern, Schablonen, Schattentheater oder spekulative Abstraktion, Einfühlung (Grominger), magische Botschaft (McLuhan), Partisanen (Mao) oder Piraten (Conrad) gelesen werden. Die Kompositionen sind sehr spontan und enthalten die komplexität meines Wesens“.

 

ONE MORE TIME

ONE MORE TIME

Skulpturen Gabrielle Rossmer
Film Luther Price
Malerei Sonya Gropman

05 / 03 / 20 bis 14 / 04 / 20

Die Ausstellung arbeitet mit Haushaltsgegenständen die mit Kochen und Essen zu tun haben sowie Zeit, Ort und Bedeutung in sich gespeichert haben. Gegenwart und Vergangenheit, Deutschland und die USA, menschliche Erfahrungen mit Nahrung, Verlust, Heimat, Emigration und erneute Verwurzelung und Erholung.

Sie bezieht sich auf das Heute, wie es aus dem Vergangenen entstanden ist, das Annehmen der Geschichte als Teil unserer Gegenwart.

Als die Familie Rossmer 1939 mit ihrer einjährigen Tochter Gabrielle aus Nazideutschland flohen, nahmen sie alle Möbel, Küchenutensilien und Wäsche in einer grossen Kiste mit nach New York City. Fast alles hat bis heute überlebt und ist immer noch im Gebrauch der Familie.

Ironischerweise mussten Juden während des NS Regimes eine Steuer auf alle Haushaltsgegenstände bezahlen, die sie mitnehmen wollten, mit dem Ziel jüdisches Leben in Deutschland auszumerzen, doch führten diese Gegenstände in ihrer Familie zu einer fortwährenden Verbindung zu dem früheren Leben in Deutschland.

Alle drei Künstler der Ausstellung erleben und untersuchen diese Gegenstände aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Malerei von Sonya Gropman aus heutiger Sicht, Luther Price arbeitet mit Archiv-Filmmaterial und Gabrielle Rossmer reflektiert ihre eigene Geschichte.

Gabrielle Rossmer und ihre Tochter Sonya Gropmann haben zusammen „The German-Jewish Cookbook: Recipes & History of a Cuisine“ geschrieben und 2017 bei Brandeis University Press veröffentlicht. Es beschäftigt sich mit der fast verschwundenen Tradition deutscher Juden und versucht diese zu bewahren. Die meisten Überlebenden der 30 er Jahre sind mit der Kultur
der Länder verschmolzen in die sie emigrierten.

Die Küche ist der Ort in dem die Deutsch-Jüdische Kultur am Besten bewahrt ist, da viele Rezepte der Mütter, Grossmütter und Urgrossmütter erhalten sind, wie Rezepte für das Passah Fest ohne gesäuertes Brot, das Lichterfest mit meist in Fett gebackenen Speisen, oder die Schabbat Brote (Berches).

Gabrielle Rossmer ist Bildhauerin. 1991 entwickelte sie eine Multimedia-Installation mit dem Titel „In Search of the Lost Object“ die sich mit der Geschichte der Familie auseinandersetzt, sowie der späteren Emigration in die USA. Diese Arbeit wurde in ihrem Geburtsort Bamberg und in der Cathedral of St. John the Devine in NYC ausgestellt, als Teil der Ausstellung „Witness and Legacy,
Contemporary Art about the Holocaust“. Mit der aktuellen Arbeit knüpft sie 18 Jahre später an diese Ausstellung an.
Alte Haushaltsgegenständen sind mit weissen Binden und Kleister abgeformt und beziehen sich auf diese vergangene Zeit. Gabrielle Rossmer lebt in Massachusetts, USA

Luther Price ist Experimentalfilmer dessen Werk weitläufig in den USA und Europa ausgestellt wurde. Unter anderem im Museum of Modern Art und der Whitney Biennale in NYC. 1991 hat er historisches Filmmaterial von Haushaltsgegenständen und Familienmitgliedern verarbeitet und daraus einen 15 minütigen Film mit dem gleichen Titel „In search of the lost Object“ zusammengestellt, zu dem er sagt, dass die Objekte zu ihm sprachen, lebendig und voller Bedeutung wurden. Luther Price lebt in Boston, USA

Sonja Gropmann ist bildende Künstlerin und Autorin von Texten die in Zusammenhang mit Nahrung und Kochen stehen.
Die in starken Farben direkt auf die Wand gemalten Silhouetten und Ornamente reflektieren ihre Arbeit in der Küche. Die Motive wiederholen sich und bilden ein Muster das zwischen Vergangenheit und Gegenwart schwankt. Sonya Gropman lebt in NYC

www.germanjewishcuisine.com

 

La Grande Bouffe

La Grande Bouffe

Eine Rauminszenierung über Mensch, Tier, Lust und Tod
von Margret Eicher

Inspiration und Ausgangspunkt der Rauminszenierung von Margret Eicher ist der französisch-italienische Spielfilm La Grande Bouffe (Das Große Fressen) aus dem Jahr 1973. Regie führte Marco Ferrera, die Hauptrollen spielten Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Philippe Noiret, Ugo Tognazzi und Andréa Ferréol. In der Filmhandlung wird bei übermässigem Essen und sexuellen Ausschweifungen ein geradezu feierlicher kollektiver Suizid inszeniert.

Gezeigt wird im Zagreus Projekt eine Medientapisserie, und ein rundum wandfüllendes Ornament, welches ebenfalls die Fläche des Esstischs bedeckt.Die Tapisserie zeigt im Hauptmotiv erlegtes Rot und Schwarzwild niederländische Stilllebenmalerei zitierend, in Korrespondenz zu weiblichen Porzellanfiguren. Es entsteht ein erotisches Fluidum, in dem das Tier als vielschichtige Projektionsfläche menschlicher Begierden erscheint. Die Allianz von Sexualität und Tod zeigt sich hier in überraschender Anmutung.

www.margreteicher.de

Mit freundlicher Unterstützung

Menü

Die Inszenierung der Speisen greift sowohl Elemente aus dem anwesenden Kunstwerk als auch Speisen aus dem Film auf und verbindet diese zu einem üppigen Menü mit italienischen und französischen Einflüssen aus der klassischen Hochküche.

1. Gang
Ei als Symbol von Tod und Auferstehung
Soleier mit Kräuter und Süssholz
Barocker Salat „Hell-Dunkel“ mit Trüffelvinaigrette

2. Gang
Italienische Schichtung
Polenta
Tomatensugo
Tagliatelle alle erbe
Funghi
Broccoli
Salsa di Parmigiano
Ricotta
Pinoli

3. Gang
„Du stirbst nicht wenn du nicht isst“
Selle de Sanglier Prince Orloff
Sauce Soubise
Sauce Mornay
Tomates
Pürée de pommes de terre et des châtaignes

Vegetarisch
Casserolle de lègumes à la provencale
Sauce Soubise
Sauce Mornay
Tomates
Pürée de pommes de terre et des châtaignes

4. Gang
Dessert Andréa
Crème Bavaroise
Crêpes Suzettes
Framboise
Crème Chantilly

 

Kochen bis der ARzT kommt

von Bodo Niggemann

06 / 11 /19 bis 28 / 11 / 19

Prof. Dr. Bodo Niggemann, der nach einer erfolgreichen Arztkarriere (Kinder – und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Allergologie und Pneumologie) und seiner Pensionierung 2017 nun seine künstlerische Arbeit vorstellt, die er sein ganzes Leben lang parallel betrieben hat.

Im Zagreus Projekt werden aktuelle Arbeiten ausgestellt, die alle aus medizinischen Materialien bestehen.

www.bodo-niggemann.de

Die Profession von Bodo Niggemann als Allergologe ist eine Steilvorlage , um im gastronomischen Bereich den Umgang mit Allergenen in Nahrungsmitteln zu beleuchten.

Mit etwas Humor servieren wir alle deklarationspflichtigen Allergene in einem Menü „zur Hyposensibilisierung“, bei dem der Gast die freie Auswahl hat, die Speisen zu essen, die ihm gut bekommen.

Menü

Infusion
Fenchel und Tomate

Alle Allergene:
Glutenhaltiges Getreide
Krebstier/Weichtiere
Eier
Lactose
Fisch
Erdnüsse
Soja
Schalenfrüchte
Sellerie
Senf
Sesamsamen
Schwefeldioxid/Sulfite

Heilkräuter
Zitronenverbene, Bärwurz, Rosmarin, Estragon, Zitronenmelisse, Minze

 

Von Armen und Beinen

Von Armen und Beinen

Installation von Christina Paetsch

04 / 09 / 19 bis 02 / 11 / 19

Christina Paetsch arbeitet in ihren Bildern und Installationen bevorzugt mit Lebensmitteln und Dingen, die uns dies suggerieren. Beine von Tieren benutzt Sie häufig als bedeutungstragendes Material. Jedoch, die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Ob das überquellende tägliche Angebot unserer Supermärkte oder das verloren gegangene Bruchstück auf der Straße – Sie greift auch hier Schönheit und Ekel auf, die beiden dicht beieinanderliegenden Schwestern, verwebt die Gegensätze und spielt mit unseren Bedürfnissen. Paetschs oft aufwendige Inszenierungen, in denen die Dinge gleich Collagen aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst werden, führen geradewegs in die Absurdität.

Ob wir strampeln oder mit den Armen rudern, es nützt nichts. Arme und Beine, ob als Fortbewegungsmittel oder Trophäen an der Wand, oder als Lukullisches vor unserer Nase. Christina Paetsch zieht uns mit ihren Bildern in ihren Kosmos, der, wie ein guter Wein, seine Geheimnisse erst nach und nach preisgibt.

In der Ausstellung „Von Armen und Beinen“ im Zagreus Projekt zeigt Sie eine Installation aus Fotografien und Objekten, gleich einem Parcours mit Armen und Beinen.

Zur Ausstellung servieren wir das Menu „alles mit allem“

„Soljanka“ mit Sepia, Oktopus und Basilikumsahne

Mangold und Spinatsalat mit gesulzter Spätlese,
Austern, Muscheln und Champignons mit Limonenvinaigrette

Kalbshaxe, Blumenkohl, Kopfsalatherzen, Spitzkohl und Zander
(Alles im Ganzen serviert und auf dem Tisch tranchiert)

Früchte in Bitterschokolade, karamellisierte Mandeln und Tonka Bohne

 

Knochenkohle

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KNOCHENKOHLE

Eine Installation von Ulrike Mohr

28 / 02 / 19 bis 04 / 05 / 19

Ulrike Mohr transformiert unterschiedlichste Hölzer zu Holzkohle, die dann oft in einem Zustand zwischen Zeichnung und Skulptur schwebend im Raum installiert werden. Für die Installation im Zagreus Projekt hat sie alle Knochen von einem Schaf geköhlert. Das Tier wurde in zweierlei Weise transformiert:

Die Knochen verwandeln sich durch das Köhlern und dem Entzug der organischen und wässrigen Verbindungen zu Knochenkohle, also reinem Kohlenstoff, der keinem weiteren Verfall mehr untersteht und das Fleisch durch den Kochprozess im Zagreus Projekt zu Suppe, Schmalz und Wurst. Die Knochen werden zur Installation und das Fleisch wird Bestandteil im Menü „SCHWARZ“.

Knochenkohle Ulrike Mohr zagreus galerie koch kunst catering

Menü SCHWARZ

Palmkohl, Mangold und Spinat in schwarzer Tempura,
Maniok, Schwarzwurzel und Süsskartoffel im Gewürzmantel,
Kürbiskernpesto, Balsamico Vinaigrette und schwarzes Algenöl

Gebratener Loup de Mer, Fenchel-Kräuterpüree,
Polenta mit Sepia und Nussbutter, fermentierte Walnuss
und schwarze Walnussmayonnaise

Crèpinette vom Schaf mit Knochenkohle, Essenz vom Schaf
und ausgelassenes Fett vom Schaf mit Knoblauch,
Kartoffel-Topinambur Stampf mit Rahm und Crème Fraîche,
gebackene Rote Bete mit Portweinreduktion, Muscovadozucker und Terva

Crème Brûlée mit Lakritz, Schokoladen-Kaffeesauce
und karamellisierte Backpflaumen mit Cognac

DIE ANATOMIE DER MELANCHOLIE

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DIE ANATOMIE DER MELANCHOLIE

Installation von Pierre Granoux
Zusätzlich mit Werken von Astrid Köppe und Aaron Rahe

29 / 09 / 18 bis 25 / 11 / 18

Ausgangspunkt für die raumfassende Installation von Pierre Granoux zusätzlich mit Werken von Astrid Köppe und Aron Rahe und das entsprechende Menü ist der Kupferstich „Melencolia 1“ von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1514, eine Bestandsaufnahme der geistigen und intellektuellen Gedankenwelt des Künstlers in seiner Zeit. Im Zentrum sitzt eine geflügelte und sinnende Frau, umgeben von symbolischen Gegenständen aus Handwerk, Wissenschaften, Baukunst, Alchemie und Mystik.

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Die Melancholie ist eines der vier Temperamente. Dem Melancholiker wird die schwarze Galle als Körpersaft und die Milz als Organ zugeordnet. Dies ergibt einen nachdenklichen, schwermütigen, oder depressiven Zustand. Dem Choleriker wird als Körpersaft die gelbe (grüne) Galle zugeordnet und ist erregt und reizbar. Dem Sanguiniker wird als Körpersaft das Blut zugeordnet und er ist heiter und aktiv. Dem Phlegmatiker wird als Körpersaft der Schleim zugeordnet und er ist passiv und schwerfällig.

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Kein Gemütszustand interessiert die westliche Kultur schon so lange wie die Melancholie. Traditionell als Ursache für seelisches Leiden und Wahnsinn verstanden, galt sie zugleich als typisch für Helden und Genies. Entsprechend sehen viele in Dürers Bild eine Darstellung
der Melencolia Artificialis, eine Art Künstlermelancholie, die nicht depressiv, sondern genial ist, aber vom Planeten Saturn beeinflusst zur Schwermut neigt. Melancholie ist demnach das Einzige der vier Temperamente, welches zur Kreativität befähigt. Nimmt die Schwermut jedoch überhand, versinkt der Künstler in einer gefährlichen, selbstzerstörerischen Depression.

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In der mittelalterlichen und neuzeitlichen Vorstellung hat jeder Mensch eine ihm eigene, ihn bestimmende Zusammensetzung von Körpersäften. Wenn sie aus dem Gleichgewicht kommen kann das zu Krankheiten führen. So braucht auch jeder Mensch eine auf ihn abgestimmte Diät zur Heilung. Sowohl bei Robert Burton (1577 – 1640) als auch bei Hildegard von Bingen (1098 – 1179) wird versucht durch entsprechende Diäten das Gleichgewicht wieder herzustellen und im Falle des Melancholikers, diesem Vorherrschen der schwarzen Galle mit kalten und trockenen Körpersäften, entgegenzuwirken.

Heilung erfolgt durch warmes und feuchtes Essen. (Robert Burton „The Anatomy of Melancholy“ (1621). Man soll nicht übermässig essen und lokale und saisonale Produkte verwenden, viel Omega 3 Fettsäuren, Folsäure (Vitamin), Selen (Spurenelement) in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln zu sich nehmen. Die Stimmung des Menschen wird nicht nur beeinflusst durch Inhaltsstoffe und biochemische Prozesse, sondern auch durch eine positive Umgebung verbunden mit Essen, das eine positive Erinnerung auslöst , die hilft die Körpersäfte in Griff zu bekommen.

Im folgenden Menü unterstützte ich zunächst die Kreativität des genialen Melancholikers (schwarze Galle) und versuche mich dann an einer therapeutischen Auflösung zur Eindämmung der saturnischen Schwermut mit einer Reihe von Nahrungsmitteln, die Hildegard von Bingen (1098 -1179) oder Robert Burton (1577 bis 1640) dazu empfehlen.

Menu Antimelancholika

Die schwarze Galle
Verkohlte Zwiebel, Schweinswurst, Ragoût vom Lamm mit Sepiatunke, Miesmuscheln und Rotwein

Therapie
Gebrannte Grießsuppe mit Dinkelgrieß und Dinkkelmilch mit Ei und Muskatnuss

Fenchel im Süssholzsud mit Galgant, Spinatsalat und mit Maronen und Majoran gefülltes Huhn in Thymianessenz

Bärwurz-Birnen-Honig mit weissem Wein, süssen Früchten und Mandeln

 

VON GEFLÜGELTEN, GEHÖRNTEN UND ANDEREN MENSCHEN

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Installation von Heike Roesner

21 / 07 / 18 bis 21 / 9 / 18

Heike Roesner hat ein Faible für schräge Typen und bizarre Situationen. Ihre Leidenschaft ist das Papier, ihre Figurenwelten und Geschichten entstehen in der Technik des Papiermaché aus diesem Material.

Die Arbeit ist für sie ein Spiel. Spielerisch und leicht erscheinen auch ihre Objekte. Die Installation zeigt Hirngespinste, die wie in den Raum getupft sind. Kleine Szenen, die Zustände transportieren, wie z. B. Freude, Vorfreude, Freundschaft, Verbundenheit, Begeisterung, Sehnsucht. Die Gesichter der Wesen sind durch Schriftzeichen anonymisiert. Sie stehen für eine Form der Kommunikation, die keiner eindeutigen Identifikation der Figuren durch Augen, Mund oder Hautfarbe bedarf. Sie transportieren Sehnsüchte, Argwohn, Tagträume – oder auch eine gewisse Sorglosigkeit. Es ist jedoch immer auch ein Funken Ironie dabei. So entstehen ganze Gesellschaften von menschlich anmutenden Wesen – nicht selten mit Geweihen, Flügeln oder anderen Komponenten, die eine Geschichte von Natur und Kultur erzählen.

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Die Szenen sind Fragmente von Lebenssituationen und sie begleiten erzählend und anteilnehmend das Menü. Stille Beobachter, teilweise auf der Flucht oder noch im Anflug auf das Geschehen. Sie würden gern mit am Tisch sitzen, sind aber zu sehr mit sich selbst und ihren Zuständen beschäftigt.

In der Ausstellung „Von Geflügelten, Gehörnten und anderen Menschen“ werden diese Protagonisten Zeugen einer sommerlich – kulinarischen Reise an der großen Tafel mit vielen Farben.

 

Zur Ausstellung servieren wir das Menü

Tafeln

Forelleninseln
Gebratene Forelle mit Kopfsalatcreme, Verjus,
gelierter Forellenfond, Kaviar, Meerrettich und Zitrone

3 Farben Maultaschen
gelb: Ricotta Safran
grün: Minze, Zitronenmelisse, Rucola
rot: Rote Beete, Ziegenfrischkäse, Pecorino
– Zwiebelconfit mit weissem Port und Rieslingsauce

Surf & Turf
Kalbscarrée im Heu gegart und gedämpfte Garnelen mit Thymian,
Verschiedene Bohnen und Erbsen á la Crème mit Pernod

Pfannkuchen mit eingemachtem Kernobst,
Holunder Sabayon und Crème Chantilly

 

PREUßISCH BLAU

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Installation von Ute Lindner

18 / 05 / 18 bis 14 / 07 / 18

In der aktuellen Ausstellung von Ute Lindner im Zagreus Projekt geht es um „Saufen & Fressen“, was ja naheliegend ist, da Dyonisos als der wiedergeborene Zagreus, der Gott des Weines und des Rausches ist. Die Künstlerin verwandelt den Ausstellungsraum in eine sinnliche blaue Inszenierung mittels der alten fotografischen Technik der Cyanotypie, bei der durch Einwirkung von Sonnenlicht echtes Preußisch Blau entsteht. Blau, eigentlich keine Farbe, die sich mit Essen assoziieren lässt, wird hier zum bestimmenden Moment. Der Tisch selbst wird zum Kunstobjekt: Auf acht Meter Länge ist ein Fotogramm entstanden, auf dem alle möglichen Sorten an Obst, Gemüse, Kräutern, Fleisch und Fisch im Überfluss als weißer Schattenriss auf blauem Grund zu erkennen oder auch nur zu erahnen sind.

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Die große Wandarbeit ist ebenfalls ein blaues Fotogramm mit Figuren, Gläsern, Flaschen, Wein, Efeuranken wie auf einem dionysisch anmutenden Trinkgelage. Dionysos als der wieder auferstandene Zagreus. Ironisch kommentiert wird dies durch die 1:1 Cyanotypie des berühmten Bacchus-Gemäldes von Caravaggio, bei dem ein lasziver Jüngling vor einer Schale angefaultem Obst dem Betrachter zuzuprosten scheint. So ist denn auch das Motto der Menüreihe für diese Ausstellung „Saufen & Fressen“.

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Menü: SAUFEN & FRESSEN

Wie die „blue dinner party“ die Alfred Hitchcock für die Schauspielerin Gertrude Lawrence inszenierte, widmen wir uns bei diesem Menü der Farbe Blau.

Blau eingelegte Schwarzwurzel, gebackene violette Süsskartoffel, gebratenes Blaukraut mit Sternanis,
karamellisierter Chicorée, blauer Rettich, Salat mit Balsamicodressing und Joghurt mit Zitrone und Meerrettich

Püree aus blauen Kartoffeln (Blauer Schwede), Molke und Beurre Noisette
mit Ceviche vom Wolfsbarsch
Vegetarisch: eingelegter Kohlrabi mit Champagneressig und Rapsöl

Gefüllte Freilandpoularde mit Brot, Blaukohl und Preiselbeeren,
Rotweinbirne mit karamellisiertem Radicchio in Melasse und Brombeersauce
Vegetarisch: Geschmorte Rote Beete mit Honig

Iles flottantes mit Blaubeeren und Blue Curacao

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Alles immer wieder

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Alles immer wieder

Installation von Dorothee Berkenheger

15 / 02 / 18 bis 28 / 04 / 18

Die Wortakrobatin Gertrude Stein schrieb 1938 in einem Kinderbuch eine Geschichte über das Mädchen Rose, das immer wieder ihren Namen in einen Baum ritzt und weiter ritzt und weiter: a rose is a rose is a rose is a rose…….

Dieses vielleicht berühmteste Poem Gertrude Steins beschreibt einen Prozess, der bildhafte Assoziationen freisetzt und auf spielerische Weise die Gedanken des Kindes fortführt. Sie führt uns in immer neue Bereiche.

Der Ausstellungstitel „Alles immer wieder“ ist einem der Kinderbücher Gertrude Steins entlehnt. In diesem Wortspiel scheinen sich nicht nur die vielfachen Modulationen und Transformationen der Arbeit Dorothee Berkenhegers wiederzufinden – sondern auch ein meditativer Charakter, eine fast mantrahafte Vervielfältigung finden ihren Ausdruck.

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Für Zagreus übersetzt Dorothee Berkenheger diese Elemente ihrer Arbeit in eine raumgreifende Installation,
in der Objekte einer Sammlung in neue Zusammenhänge überführt werden.

www.d-berkenheger.de

 

Menü

Einzelne Elemente der Gänge sind rekrutiert aus Menüs die wir zu früheren Ausstellungen gekocht haben. Die Titel der Ausstellungen stehen in Klammern. Jedes zweite Element in einem Gang entspricht dem ersten Element im darauf folgenden Gang.

(sweet nothings)
1. Sellerieessenz mit Selleriepuder 2. Geflügel/Griessklösschen mit Trüffelöl

(M_ASK_E)
2. Fischklösschen 3. Heusuppe mit Rahm, Sekt und Emd

(where the wild things are)
3. Beurre blanc mit Meerrettich 4. Winzersalat mit Kartoffel und Ei

(Zum Brunnenwirt)
4. Oktopussalat mit Fenchel und Kapern und 5. Mousse aus gebratenen violetten Kartoffeln und Walnuss

(Lichtverteilung)
5. weisses Bohnenmus mit geschmortem Knoblauch 6. Fisch geflämmt mit geräuchertem Paprikaöl

(Wir müssen reden) (Bitterlabor)
6. Confierte Perlhuhnbrust in Kürbiskernöl gefüllt mit Oliven und Rosmarin 7. Zichorien mit Grapefruit – Honig – Kürbiskernöl

(Muschelmädchen und Amorettenschmelze)
7. Schwarzwurzel mit Herbsttrompetenpulver 8. Risotto Rosso mit Tomate, Paprika und Krebsen

(SUER GAS – ZAGREUS)
8. Le Teurgoule Normandie 1. Klarer Birnenfond mit Rose