DAS BLUT DER AHNEN

Installation von Harro Schmidt

28 / 10 / 07 bis 19 / 01 / 08

ahnen1

Harro Schmidt ist ein pictor doctus, ein gelehrter Maler. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß der Künstler zeitgleich ein Kunststudium und ein mit dem Diplom belohntes Geologiestudium absolvierte. Für Schmidt sind Malerei und Kunst eine Sache des Kopfes. Etwas, was mit Geist ebensoviel zu tun hat wie mit Gefühl.

ahnen2

Harro Schmidt zeigt unter dem Titel „das Blut der Ahnen“ Lichtobjekte, Lichtinstallationen und Lichtprojektionen, die in den letzten Jahren entstanden und die er eigens für die Galerie neu zusammengestellt hat. Schmidt inszeniert eine Tafelrunde der besonderen Art, an der der geneigte Besucher und Gourmet seinen Platz findet. Dabei kann dieser eintauchen in einen Kosmos aus Licht und Poesie, dessen Anmutung zwischen wissenschaftlichem Experimentallabor und Ausgrabungsstätte liegt, und dessen künstlerische Umsetzung an Fundstücke aus der Archäologie, aus der Erdgeschichte oder Sagenwelt erinnern lassen.

ahnen3

Das Menü der verborgenen Schätze
Versenken, schichten, verhüllen, umschließen

Kaninchensülze mit Petersilie
Und hausgeräucherter Calamaretti
mit Salbei Brösel und Limonensauce

Lasagne von Blutwurst, Sauerkraut und Kürbis
Mit Trüffelsauce

Schüsselpastete mit Ente, Perlzwiebeln und Champignons

GEFAHR FÜR LEIB UND SEELE

von Markus Binner

10 / 07 / 07 bis 16 / 09 / 07

zagreus

 

 

Für das Zagreus Projekt hat Markus Binner eine Folge kurzer Arbeiten aus Sprache, mit Bezug auf Essen, Kochen und Nahrungsmittel geschaffen. In Form einer Speisekarte ist sie Vorlage für ein assoziatives Menü von Ulrich Krauss, der für jeden Text/Gang eine kulinarische Interpretation schafft .

Geboten wird: großes Schauern, aus Distanz vergnüglich. Große Fragen: Gibt es Neues? Gefahr für Leib und Seele. Völlige Orientierungslosigkeit (theoretisch). Starke Bilder. Emphathie mit Schafen. Radikalität als Weg zum Sieg (bei Sumo-Ringer-Gerichten) Anish Kapoor trifft Nitsch im Hosentaschenformat. Gibt es Häßliches? Essen, Lust, Liebe.

 

 

Das Menü

Die Austern mit Zitrone beträufeln, dann schließen sie die Augen.
*
Paul Bocuse isst seit 30 Jahren jeden Tag ein ihm unbekanntes Gericht.
*
Halten Sie den Aal stets gut fest und lassen Sie den Mund zu. Aale sind sehr stark und ihre Haut ist glitschig. Bei Gefahr versuchen sie in dunkle Höhlen zu flüchten.
*
Bei dem Hochwasser lief auch der Weinkeller voll. Da der Pegel schnell wieder fiel und der Keller gleich abgepumpt werden konnte, passierte dem Wein selbst nichts. Allerdings lösten sich sämtliche Etiketten von den Flaschen.
*
Dithmarscher Schaffleisch gilt als besonders zart. Da die Schafe im Winter den gefrorenen Kohl, der auch zur Sicherung der Deiche angebaut wird, fressen, nutzen sich ihre Zähne derart schnell ab, dass sie viel früher als andere Schafe geschlachtet werden müssen.
*
Eine Suppe, die aus einem Karpfen, dem nur die Galle entfernt wurde, Klettenwurzeln und Wasser besteht, kocht 24 Stunden. So werden die beiden Zutaten, die am stärksten Yin bzw.Yang sind, zusammen zubereitet. Dies ist das traditionelle Gericht für Sumoringer vor dem Kampf.
*
Viel heißes Wasser und Salz lösten weiter Schmutz und Schleim. Dann stüpte der Schlachter die Gedärme nacheinander durch einen messingnen Ring, den er in zwei Größen neben Messerköcher und Wetzstab am Koppel trug, nach innen, damit das Wurstbrät in die glattere (oder appetitlichere?) Außenseite gefüllt werden konnte. Eswar spaßig zu sehen, wie die Därme durch sich selber flutschten.
*
Pascal Barbot, einer drei Sterne Köche Frankreichs, servierte im Sommer 2006 in seinemRestaurant l’Astrance in Paris bei einem Gang als Beilage Bohnen, die nicht gut schmecken und dies auch nicht sollten.
*
Die Forscher, die davon ausgegangen waren, einen weiteren schwarzafrikanischen Irrglauben zu untersuchen, waren uberrascht, als sie feststellten, dass Coca-Cola zu 85% und Coca-Cola Diet sogar zu 100% spermizid ist

SupraKartoffelKomplex (SKK)

Installation mit 800 kg Kartoffeln
von Barbara Ueber (D) und Mathieu Dagorn (F)

17 / 05 / 07 bis 17 / 06 / 2007

kartoffel1

Die beiden Künstler Barbara Ueber (D) und Mathieu Dagorn (F) zeigen als Zusammenarbeit eine Installation aus ca. 800 kg Kartoffeln, ästhetisch angesiedelt zwischen Karl Blossfeld, Christian Jaccard, James D. Watson und Sigmar Polke. ‚SupraKartoffelKomplex‘: Jede einzelne Kartoffel stellt ein strukturell abgrenzbares, eigenständiges und selbsterhaltendes System dar. Sie ist in der Lage, Nährstoffe aufzunehmen, in Energie umzuwandeln, verschiedene Funktionen zu übernehmen und vor allem sich zu reproduzieren.

Die Kartoffel enthält alle Informationen, die für diese Prozesse notwendig sind. Kartoffeln haben somit grundlegende Fähigkeiten, die als Merkmale des Lebens bezeichnet werden:
· Vermehrung durch Kartoffelteilung
· Stoff- und Energiewechsel (Nahrungsaufnahme, Energieumsatz, Aufbau von Kartoffelstrukturen)
· Reaktion auf externe oder interne Reize (auf abiotische Faktoren wie Temperatur oder Nahrungsangebot, auf biotische Faktoren wie Fressfeinde, Parasitismus und viele andere)
· Möglichkeit der Bewegung.

Durch die Spezialisierung zu Vielkartofflern sind die oben beschriebenen Fähigkeiten eingeschränkt, sie gewinnen aber die besondere und ästhetische Macht im sogenannten SupraKartoffelKomplex (SKK).

kartoffel2

Die Installation SupraKartoffelKomplex besteht aus Strukturen, die an Bäume erinnern. An diesen Strukturen wachsen kleine, traubenförmige Anhäufungen neuartiger, auch andersfarbiger Kartoffeln, Wucherungen, die sich teils verselbstständigen, sich weiter vermehren und so vom Raum Besitzergreifen.

Im Laufe der Evolution haben sich verschiedene Arten von Kartoffeln gebildet: zum einen die Frühkartoffeln, die einfach gebaut sind und keinen Kartoffelkern aufweisen, zum anderen die Spätkartoffeln, die komplex strukturiert sind und sich im Aufbau stark von den Frühkartoffeln unterscheiden. Frühkartoffeln und Spätkartoffeln können sowohl als Einkartoffler als auch als Mehrkartoffler auftreten. Bei den Mehrkartofflern bilden Kartoffeln sogenannte Zweckverbände.
Zumeist teilen sie sich die Funktionen und sind oft einzeln nicht mehr lebensfähig

Über die Künstler:
Barbara Ueber schloss 2002 ihr Meisterschülerstudium bei Rebecca Horn ab, lebt und arbeitet in Berlin. Sie beschäftigt sich mit Polarität und Spiegelung im visuellen wie im psychologischen Sinne, nicht nur der Mensch, auch Tiere und Landschaften stellen in vollendeter oder partieller Verdopplung die Frage nach Gleichheit und Gegensätzlichkeit, meist bleibt es jedoch paradox.
Ausstellungen:

Mathieu Dagorn besuchte nach dem Abschluss eines Biochemiestudiums die Kunsthochschule von Marseille. Er studierte Bildhauerei bei Anita Molinero und Patrice Carré. Durch sein ehemaliges Leben
als Wissenschaftler hat er Themen wie Labor, Hygiene, Vermehrung oder Wucherungen in seiner Kunst verarbeitet

www.dagorn.com

COOK THAT STUFF

Swing – Installation von Lotta Weigl
go ahead and bite it, bet you´ll be delighted

16 / 02 / 07 bis 15 / 04 /07

Folie1

Am Anfang war der Blues, dann kam das Fressen und dann die Moral.
In Anlehnung an Jazzclubs im Harlem der 30er Jahre gestaltet Lotta Weigl einen Raum für body and soul.

Folie2

Im Blues und Swing sind alle menschlichen Grundthemen vertreten, ohne zu richten und ohne Selbstmitleid, dafür doppelbödig und spöttisch. Das 6-count Swingmenü tischt kulinarische Höhepunkte aus verschiedensten Swingsongs rund ums Essen auf. Bei genauem Zuhören wird man sich beim Dessert fragen müssen, ob Cab Calloway recht behält, wenn er behauptet: „a chicken ain´t nothing but a bird …“
Wer sich bis dahin noch nicht auf die Tanzfläche gewagt hat, sollte einem guten Martini oder Whisky zusprechen: „you never seen such scufflin´and a shufflin´ ´til the break of dawn!“

www.lottaweigl.de
www.lottasjitterbugs.de

Folie3

jeden mittwoch bis samstag ab 20:00 uhr
6-count swingmenü und off-beat snacks
danach und zwischen den gängen kann der saal
auf der tanzfläche zum kochen gebracht werden

SONDERVERANSTALTUNGEN
mit tanzeinführung um 20:00 uhr:

sonntag 25. februar 2007
MEAT CUTTIN`BLUES PARTY

samstag 24. märz 2007
SATURDAY NIGHT FISH FRY SWING PARTY

ALABONNECAVE

Installation und Video von Pierre Granoux

23 / 09 / 06 bis 18 / 11 / 06

cave2

Pierre Granoux präsentiert seine Installation ALABONNECAVE. Dabei wird er vom Ort der Ausstellung inspiriert: Kunst, Küche und (Wein)Keller.
Der Galerieraum ist in zwei Räume geteilt: ein Holzregal, bis zur Decke hoch, durchquert den Raum so, dass jeder der zwei Teilräume über eine der beiden Treppen zu betreten ist. Das Regal und ein Fundstück – das französische Ladenschild A LA BONNE CAVE (Zum guten Wein-Keller) – bilden das Herzstück der Ausstellung. Im Regal werden Elemente aus dem „echten“ Zagreus-Keller platziert (Töpfe, Pfannen, Trichter, Siebe werden „ausgestellt“). Aus dem Regal wird ein LAGERREGAL! Das Regal bietet aber auch den perfekten Rahmen für die Videopräsentation: In einer Art Found-Footage ehrt Pierre Granoux den Flaschentrockner, berühmt geworden als Duchamps Erfindung des Ready-Made, der in einer Art „Nebenrolle“ immer wieder in französischen Spielfilmen auftaucht. Dass dabei auch französischer Rotwein fließt ist wohl selbstverständlich.

blog.bazarmoderne.com
www.lage-berlin.de

cave1

radio U K WM

Installation von Irena Eden und Stijn Lernout

07 / 06 / 06 bis 09 / 07 / 06

karte_1

 

 

Mit der neuen Ausstellung zur Fußball Weltmeisterschaft entsteht im Zagreus Projekt eine Hör-Lounge der besonderen Art. In den Innenraum der Galerie wird ein raumfüllendes Stadionmodell gebaut, welches seinen Gästen einen VIP-Blick auf den Rasen bietet und gleichzeitig als Tisch fungiert. Ohne Bildübertragung der Spiele wird sich der Besucher dennoch mitten im Geschehen des Grossereignisses Fussball WM 2006 wiederfinden. Alle Spiele werden akkustisch in voller Länge, live und nach Wahl auch mehrsprachig übertagen. Dazu Spieler- und Hintergrundinformationen, die ganze grün-emotionale Welt des Fußballs als Hörerlebnis.

 

 

 

Im Hof-Garten der Galerie werden an allen Spieltagen ab 16:00 Uhr und zur Stadion Atmosphäre passend ausgesuchte Spezialitäten vom Grill angeboten. In Kombination mit feinsten Saucen und Salaten aus der Galerieküche können die Speisen in der Hör – Lounge am Stadiontisch oder auch entspannt im neu begrünten Garten zu sich genommen werden.

karte_2

*show me yr gun*

Installation von Yvonne Lee Schultz

21 / 03 / 06 bis 29 / 05 / 06

gun1

Ablehnung, Neugier und Irritation sind die Reaktionen, die die ausgestellten Pistolen von Yvonne Lee Schultz in der Installation ‚show me yr gun‘ hervorrufen.

Inmitten des Speiseraumes nehmen die Gäste an einer langen Tafel Platz. Hinter ihren Köpfen sind Pistolen auf Drehscheiben an der Wand befestigt. Beinahe geräuschlos und sehr langsam drehen sich die Waffen im kühlen, grauen Raum. Sie scheinen den Saal auf verdächtige Ziele hin abzusuchen. Wie bei Verfolgern wechselt Ihre Zielrichtung. Sie visieren die Gäste aus verschiedenen Positionen an, in manchen Momenten verharren sie plötzlich bewegungslos, den Lauf auf eine bestimmte Stelle oder eine Person gerichtet.

gun2

Die glänzende Oberfläche reflektiert das Licht, die Struktur des Handstücks sorgt für einen guten Griff. Die geschwungene, feinlinige Logo-Gravur der Firma Carl Walther steht unter anderem für das berühmte James Bond Modell, die PPK/S.

Die Waffen sind allerdings zum Töten zu süss: sie bestehen zu 100% aus Schokolade.
Irritierend detailgetreu nachgebildet erkennt man sie erst auf den zweiten Blick als 1:1 Modell

Erliegt man dann trotz der Konnotationen der sinnlichen Versuchung – die Waffen werden zum Verzehr wie Schokolade-Nikoläuse oder -Osterhasen angeboten- stellt sich beim Naschen die Frage, ob und wo man die Pistole lutschen oder anbeissen soll. Kinder stecken sich ganz einfach den Lauf in den Mund.

Die Installation ist eine Gratwanderung zwischen Ernst und Spiel, süsser Verführung und tödlicher Gewalt. Die Auswahl aus den ‚United States Marine Corps Rules for gunfighting during War‘, die, in Auszügen, als kriegerische Verhaltens-Anleitung der Tischgesellschaft ständig vor Augen ist, steigert das Gefühl der Befremdung.

Der Titel der Ausstellung entstand während einer Polizei-Kontrolle im Atelier der Künstlerin, die auffällig geworden war wegen der Führung mehrerer Spielzeug-Waffen.

gun3

Menue: “Schokolade und blauen Bohnen”

Schwarze Zanderbullets mit Zitronen/Safransauce

Perlhuhn und Wildhase in Gewürzschokoladensauce mit Spinat Ricottaflan und Grappakartoffeln

Zielscheibe von Walnussparfait und Schokoladensauce mit Vanillesabayon

Geschmacksverstärker

22 / 04 / 05  bis 31 / 05 /05

Installation von Ines Tartler

Ohne einen zugehörigen Ort können die Arbeiten von Ines Tartler nicht entstehen. Die Möglichkeiten eines ‘vor Ort Seins’ und seine Bedingungen sind prägend. Im Mittelpunkt steht die äußere Ausgangssituation zusammen mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung . Alles hat Bedeutung und wird miteinbezogen. Hieraus entstehen Räume und Installationen, Texte und Zeichnungen.
Entsprechend ihrer Arbeitsweise entwickelt Ines Tartler für diese Räume und Orte Arbeiten, die deren jeweiligen Inhalte (Rauminhalte) thematisieren, beziehungsweise freilegen und sichtbar machen. Die in sich greifenden künstlerischen Mittel und Informationsfragmente werden hierbei erst im Erfahrungskontext des einzelnen Besuchers vervollständigt.

geschmack940

In der Arbeit „Geschmacksverstärker“ bezieht Ines Tartler erstmals in einer Arbeit den Geschmackssinn mit ein. Sowohl im Sinne des Schmeckens als auch des Gefallens. Geschmack ist einerseits das Vermögen, Dinge nach ästhetischen Prinzipien/Wertmaßstäben zu unterscheiden und zu beurteilen. Daneben beschreibt er ein subjektives Werturteil ‚was jemand schön oder angenehm‘ empfindet und ist gleichzeitig die Bezeichnung für die Grundqualitäten unserer Sinne: die Fähigkeit zu schmecken und, im übertragenen Sinn, einen eigenen Geschmack zu bilden.
Der Titel der Arbeit wird in all seinen Facetten beleuchtet. Die Galerie als Ort der Geschmacksbildung, Betonung oder Fokussierung ebenso, wie die Fragestellung, in welcher Zusammensetzung sich einzelne Einflüsse auf eine Wahrnehmung, einen Geschmack auswirken.

Die Galerie als Ort, an dem bestimmte künstlerische Positionen vertreten und gezeigt werden, die dadurch sichtbar werden und einen Einfluss auf den Betrachter nach sich ziehen…

Geschmacksverstärker (Glutamat) wird als künstlerisches Mittel eingesetzt. Sichtbar als glitzernde Wand, als minimale Verstärkung, trägt und überträgt dieser unauffällige Eingriff seine Bedeutungen und geschmacksverstärkende Aspekte auf den Raum und die Besucher.

Im Raum sind Einzeltische platziert, die das jeweilige Areal eines Gastes repräsentieren, das ihm persönlich zur eigenen Geschmacksbildung dient und die Konzentration auf die eigene Wahrnehmung verstärkt. Die Platzierung im Raum prägen zusätzlich den Charakter eines Platzes.

Als entsprechendes Menü werden diverse Speisen serviert, die aus dem Eigengeschmack der verwendeten puren (natürlichen einfachen) Zutaten entstehen. Ein Essen, das sich den tatsächlichen Geschmack der Speisen zueigen macht.

(Der Eigengeschmack der Speisen steht im übertragenen Sinn für den eigenen Geschmack einer Person an sich. Die (Überzeugungs-)Kraft des ‚gegessenen Eigengeschmacks‘ überträgt sich.)

Das Menü enthält alle Geschmacksrichtungen, spielt mit Konsistenzen, Temperaturen, Formen und Farben. Unterschiedlichkeiten als Kraft des Eigengeschmacks. Ein über den Zeitraum der Ausstellung wechselndes Menü entspricht dieser Auffassung der ständigen Veränderung: gegen die Langeweile des Gleichen, was wiederum das Glutamat aufgreift, das alles gleich macht: Masse, Gleichschaltung von Geschmack, Verallgemeinerung, Einebnen der Aromen, der verschiedenen Geschmacksebenen.
Das Essen wird als Terrain verstanden, in dem sich der Gast bewegt. Durch das Essen nimmt er die Inhalte auf, bzw. stellt weitere (eigene) Bezüge her.

(auch jeder Tätigkeit des Gastes während des Essens unterliegen weitere Bedeutungsebenen. ein Beispiel: im Auswickeln einer Speise, spiegelt sich eine ‚Entwicklung’…Komplexität!)

 

Expedition a.N.

Foto Installation von Volker Kreidler

05 / 02 / 05 bis 01 / 04 / 05

Die Ausstellung EXPEDITION a.N. ist ein Projekt von Volker Kreidler, der in der 4. Generation als Fotograf arbeitet. Die ersten 3 Generationen haben Horb a. N. in Württemberg / oberer Neckarraum nie verlassen und sein Cousin führt die Familientradition als Fotograf im Ort weiter.

postkarte940

Die Bilder, die gezeigt werden sind ein kleiner Ausschnitt des Familienarchivs (ungefähr 350000 Negative) und führen durch die Zeit ab ca. 1880 bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie dokumentieren die Dinge, die es lohnten vom Fotograf fotografiert zu werden: Geburt, Einschulung, Kommunion, Passbild, Hochzeit, Feste, Umzüge, Weihnachten, Arbeitsleben, Krieg und Tod. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Portrait verschiedenster Lebensbereiche aus dem Mikrokosmos einer Kleinstadt, mit Fotografien die in dieser Zusammenstellung so noch nie gezeigt wurden. Die Fotografien sind nicht nur eine Reise/Expedition in die Vergangenheit, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte und der Heimat im engsten Sinne.

postkarte-kreidler

Ich freue mich sehr auf diese Weise auch meine Wurzeln im ZAGREUS PROJEKT präsentieren zu können und werde natürlich ein weiteres wichtiges Element des süddeutschen Lebens präsentieren: die schwäbische Küche. Es werden verschiedenste Bereiche der bäuerlichen und auch gehobenen Küche gezeigt mit zum Teil Originalrezepten von Mutter und Großmutter, Metzelsupp , traditionellen Hochzeits und Festessen, eben Bauernfressen und Herrenessen.

 

WYSINWYG – What you see is not what you get

Installation von Diana Dodson

02 / 10 / 04 – 31 / 12 / 04

Der mit einer Negation leicht veränderte und in Fachkreisen bekannte Begriff aus der Programmiersprache bildet die thematische Grundlage der Installation im ZAGREUS-Projekt.

«WYSIWYG – What You See Is What You Get» ist die Bezeichnung für eine Bildschirmwiedergabe, die identisch ist mit dem Ausdruck auf Papier, bezw. der Anzeige durch das Ausgabeprogramm. Der Begriff WYSIWYG entstand während der späten 70er Jahre am Xerox Palo Alto Research Center als der erste WYSIWYG Editor „Bravo“ auf dem Alto etwickelt wurde. Die Forscher benutzten mit WYSIWYG eine Abkürzung für ein damals populäres Schlagwort das von „Geraldine“, einer Figur aus der amerikanischen Komödie „The Filip Wilson Show“, ins Leben gerufen wurde („What you see is what you get, honey!“). Weiter wurde der Begriff anfang der 80er Jahre im Zusammenhang mit Desktop Publishing und Textverarbeitungsprogrammen verwendet. WYSIWIG unterstützt u.a. Programme, welche das Editieren von Webseiten auch ohne HTML-Kenntnisse ermöglichen.

Wie wirklich ist nun die Wirklichkeit in der Bilderflut des digitalen Zeitalters oder auf der genüsslich zum Mund geführten Gabel? Während der Ausstellung werden die Gäste zu Akteuren im Spiel mit der Wahrnehmung und der Sinn-bildung.

WYSINWYG940

Der Speiseraum ist die Inszenierung einer Filmbühne, auf welchem Soap Operas gedreht werden könnten. Die Stimmung erinnert an ein bürgerliches Interieur eines verarmten Adels. Neben realen Objekten wie Tisch, Stühle, Lampen und Teppich sind viele Komponenten der Installation imitiert, wie das Kaminfeuer aus bemaltem Plastik, die Backsteine aus Holz, der Parkett aus PVC, die Malerei an der Wand als Kunstdruck oder die in Holzstruktur bemalte Wandtäferung.

Als Teil der Installation werden die Gäste eingeladen, die zwei gebauten Bühnen aktiv zu nutzen. Die Filmkulissen werden zu Spielplätzen der Realität, wo sonst Fiktionen und Projektionsflächen einer subjektiven Realität entstehen.
Auch die servierten Speisen sind nicht, was sie zu sein scheinen. Ob ein mit Fisch gefüllter Spanferkel oder süsse Tortelloni als Dessert – Verlässliches über die optische Ungewissheit können nur die Geschmacksrezeptoren vermitteln.

Die Revolutionsbühne trägt den Glamour einer Show in B-Movie Qualität. Farbige Filmlampen beleuchten die Szene. Dem Gast wird freigestellt, in der Show «Revolution» auf der Bühne eine entsprechende Selbstdarstellung aufzuführen – die Gäste werden Zeugen und Mitstreiter dieser kurzen Proklamation.

Wie beim Fernsehen bewegt sich der Betrachter im Spannungsfeld von Realität, Inszenierung und Täuschung – nur ist in diesem Fall alles sinnlich Erfahrbare echt.