TANZENDE TÜCHER

zagreus galerie koch kunst catering

Arbeiten von Stephan Hüsch

28 / 09 / 17 bis 25 / 11 / 17

Wenn das scheinbar statisch und solide gedachte sich in Bewegung setzt, wenn das Tuch im Flug, das in einer kaum zu fassenden Bewegung durch die Luft schwebt, in der es durch den Luftzug sich aufbauscht und erst hierdurch – im Flug – die Stofflichkeit des Tuches an Räumlichkeit gewinnt, sich auffaltet in eigentümliche Figuren, bevor es, sobald man es wieder auffängt, schlaff und leblos an unseren Händen herunterfallen würde …..

In Stephan Hüschs Skulpturen sind diese Bewegungen eingefangen, übersetzt und durch die verschiedenen Ebenen hintereinander aufgefächert, dass sich eine vollkommen andere Bewegungsform herstellt. Diese Übertragung von Bewegung in eine andere Form und Materialität entsteht über die verschiedenen hintereinander geschichteten Ebenen, die jeweils andere Aspekte der Bewegung einfangen.

Die 3-dimensionale Darstellung in der Zeit wird hier wiederum aufgelöst, analysiert und zerlegt, und erst im Layering der einzelnen Schichten stellt sich erneut eine Leichtigkeit ein, die sich durch den Bruch zwischen einer fließenden, weichen Bewegung und einer stabilen Materialität vermittelt.

 

Menü PINTXOS:

Für das Zagreus Projekt hat Stephan Hüsch diese fliessenden Bewegungen in ein System von Servierplatten übertragen, die wie bei einer Etagere, nacheinander vor den Augen des Gastes, aufgestockt werden und zum Schluss, nach 3 Gängen, die komplette Skulptur bilden.

Die einzelnen Ebenen (Platten) sind bestückt mit Pintxos, den baskischen Tapas, die durch Spieße zusammengehalten werden und unterschiedliche Elemente (Ebenen) zu einer vollmundigen Komposition vereinen.

Ebene 1:

Tatar von der Lachsforelle, Avocado-Joghurt Creme mit Koriander, Meerrettich
Kräutercrèpe mit gebeiztem Lachs, Zitronenmayonnaise und geräucherter Paprika
Tortilla mit Lauchzwiebel, Estragon und Carpaccio vom Zander mit Orangenmarinade und Rosmarin
Gebackene Zucchini und Paprika mit Ricottacreme und Petersilienpesto, karamellisierte Walnuss
Pintxoo Gilda (Rita Haywoth gewidmet) Crostini mit Olive, Peperoni und Anchovi

Ebene 2:

Polenta mit Roastbeef und Pinien-Zwiebel Kruste
Bulette vom Lamm, Rouille, Tomate mit Hibiskussalz und Kapern
Gebratene Entenbrust, dunkle Zwiebelmarmelade und karamellisierter Blumenkohl
Gefüllte Paprika mit Süsskartoffel und Pimentos
Hirsch mit Herbsttrompeten, Auberginenpüree mit Sherryessig und Kräutersaitling

Ebene 3:

Nougat Konfekt
Pistazienkugel mit Marzipan
Reiskuchen mit Orange

 

FOOD-DESIGN-2016

kühne klein zagreus galerie koch kunst catering

FOOD-DESIGN-2016

überarbeitete und angewandte Objekte von Kühne / Klein

08 / 04 / 16 bis 04 / 06 / 16

Hendrijke Kühne und Beat Klein sind Sammler, Detektive und Künstler. Eine Reihe amorpher Kreationen wird auf einem Wandregal vorgestellt. Das Bildmaterial für diese dreidimensionalen Collagen entstammt der Flut von Appetit anregender Lebensmittelwerbung der Supermärkte. Die Abbildungen von möglichst unverpackten Lebensmitteln wurden auf Karton aufgeklebt und ausgeschnitten. So entstanden einzelne Bausteine, die mittels eines Stecksystems zu einer räumlichen Struktur zusammengebaut wurden. Aus Lebensmittelabbildungen entstanden so dreidimensionale Gebilde, die an fleischfressende Pflanzen oder Modelle atomarer Strukturen erinnern. Die Objekte sind skurril, grotesk und witzig. Da balanciert ein „La Vache qui rit“ Käslein auf einem Hinterschinken, der sich auf einen schimmelnden Gorgonzola stützt, aus dem Maiskolben und Pfefferschoten wuchern. Dort bilden Kartoffeln und Selleriestangen das unstabil wirkende Fundament für eine Fruchttorte und eine ganze Kolonie von Pizzascheiben.

Die Kombinationen ignorieren die von den Lebensmittelabbildungen beabsichtigten Gelüste oder laufen ihnen zuwider, denn in diesen Modellen werden die einzelnen Bausteine nicht als Repräsentanten verschiedener Nahrungsmittel verwendet, sondern als Abbildungen in ihrer Eigenschaft als Farbe, Form und Bild eingesetzt. Das Bild einer Kartoffel ist nicht die Kartoffel.

Die 65 Modellversuche thematisieren das Verhältnis zwischen Gegenstand und seinem Abbild. Wie viel Kalorien hat eine Skulptur? Sind Lebensmittel schön? Kann man sich je satt sehen? Macht Kunst dick?

kühne klein zagreus galerie koch kunst catering

Food Design, 2004, 65 Objekte
Foto: Kühne/Klein

 

Das Menü FOOD DESIGN essbare Strukturen in 3 Gängen geht von der Collagetechnik der Skulpturen aus, transformiert Nahrungsmittel in Mousse, Pasten, Fragmente oder Teilungen, verstärkt, oder vermindert Farben, setzt aber auch gewachsene Strukturen als Ornament ein. Ein Zweidimensionaler Teppich aus essbaren Elementen, deren Geschmack, oder besser deren Geschmackskombinationen ein kulinarisches Crossover an Kontrasten und Harmonien ergibt.

Gibt es einen geheimen geschmacklichen Zusammenhang hinter den Kombinationen von Essbarem, oder ist jeder Bissen ein Kontrast zum Vorigen, oder unvorhersehbare Überraschung?

Im Gegensatz zum Schlaraffenalbtraumland von Kühne / Klein (Kunst macht nicht dick) wird der Esser auf eine Entdeckungsreise für Auge, Nase und Zunge geschickt (die macht dick).

FOOD DESIGN
essbare Strukturen in 3 Gängen

Am Mittwoch, den 8. Juni 2016 um 20:00 Uhr
(letzter Abend dieser Ausstellung)

Salat und Sauce

Cime di Rapa pochiert mit Balsamico – Honig – Kürbiskernöl
Spargel mariniert mit Safran – Ei – Rapsöl
Kopfsalatherzen roh mit Spinat – Haselnuss – Petersilie
Chicoree gekocht mit Weisswein – Butter – Safran
Gurkenrolle mariniert mit Limone – Koriander – Joghurt
Lachsforelle gebeizt mit Senfkörner – Limone – Butter

Gefüllt

Rote Zwiebel mit Brot – Gewürz – Schokolade
Rote Paprika mit Süsskartoffel – Sahne – Pernod
Zucchini mit Rucola – Walnuss – Parmesan
Wildente mit Brot – Leber – Salbei – Ei
Zander mit Huhn – Garnele – Sahne

Fruchtsalat

Birne pochiert Vanille
Apfel gebacken brauner Zucker – Butter
Ananas gebraten brauner Zucker – Zitrone
Trauben mariniert Olivenöl – Meersalz
Papaya mariniert Limone – schwarzer Pfeffer
Orange mariniert Pernod – Safran
Zabaglione mit Ei – Weisswein – Holunder

 

DIE BENTOBOX IM LEBENSMITTELSORTIMENT

Bentobox Zagreus Koch Kunst Galerie Berlin

DIE BENTOBOX IM LEBENSMITTELSORTIMENT

Raumzeichnung von Werner Degreif
Objekte von Uwe Sennert

08 / 10 / 15 bis 21 / 11 / 15

Die Ausstellung DIE BENTO BOX IM LEBENSMITTELSORTIMENT zeigt die zweite Zusammenarbeit der beiden Künstler Uwe Sennert, Berlin, und Werner Degreif, Mannheim, dieses Mal zum Thema Essen bzw. Warenauslagen.

Während Uwe Sennert überdimensional große, meist mit Bauschaum, Tuch, Gips und Farben gearbeitete Objekte von Menüschachteln bzw. Bento Boxen aber auch von Waffeln präsentiert, erfindet Werner Degreif mit nur auf schwarze Linien reduzierten und direkt auf die Ausstellungswände gemalten, raumgreifenden Zeichnungen, die Hintergründe oder Bühnen hierfür.

Die Essensboxen werden so in den räumlichen Zusammenhang von verschiedenen Warensortimenten eines Super- oder Großhandelsmarktes gebracht. Zum Beispiel in Beziehung zu den scheinbar endlosen über und nebeneinander gestapelten Kisten unterschiedlicher Getränkemarken oder die Essensboxen tauchen in der Reihung mit unzähligen Warenschachteln in einer Tiefkühltruhe auf.

Das Einzelne tritt dabei in seiner endlosen Wiederholung in Konkurrenz zum immer Gleichen. Ein Nebeneinander von zwei- und dreidimensionaler Objekthaftigkeit, das einerseits durch das weite Netz der schwarzen Liniengeflechte, welche die unendliche Reihung von Warenhausartikeln beschreiben, erschaffen wird und andererseits durch die darauf platzierten dreidimensionalen Essenobjekte, die im scheinbaren Widerspruch zu ihrer Plastizität wegen der Betonung auf Kontur und Fläche, zweidimensional und zeichenhaft erscheinen.

Zagreus Koch Kunst Galerie

MENÜ

NACH DEM ESSEN INS HEIM

Griessklösschensuppe mit Hühnerbrühe, Gemüsen und Kräuter
Panierter und gebackener Zander im Zitronen-Weissweinsud eingelegt, grüner Salat mit Ei, Kartoffel-Gurkensalat und Rote Beete mit Honig
Rinderrouladen vom Salzwiesenrind mit Senf, Gurken und Speck, Rotweinsauce mit Steinpilzen, Kartoffelklöße und Rotkohl mit Apfel
Waffel Senn Cake mit Puderzucker, Parfait mit Kürbiskernöl, Sahne mit Cassis

 

Die Unterwanderung der Alpen – ein Weg ins Schlaraffenland

Multi media Installation von Lis Blunier

23 / 11 / 13 bis 02 / 02 / 14

2times

Der Alpenraum ist geschlossen und der Norden wird weiträumig überwacht.
 Man munkelt, dass es im Süden noch Freiheit gibt – ist es vielleicht das Schlaraffenland?
 Der einzige mögliche Weg dorthin zu kommen, ist die Unterwanderung der Alpen.
 In der Kochkunstgalerie Zagreus, einem unverdächtigen und bis jetzt geheim gehaltenen 
Ort mitten in Berlin, befindet sich der Eingang des Stollens.

alpen

In der Installation von Lis Blunier führt ein Stollen in die Tiefe eines Berges.
 Das Bild eines Alpenpanoramas mit strahlend blauem Himmel begleitet den Besucher unter Tage und wird zum Sehnsuchtsträger und Motor für einen Weg in die Freiheit. Dieses Bild wird in der Kochkunstgalerie zusammengeführt mit dem Phantasiebild des Schlaraffenlandes und dem Traum von irdischer Fülle und glücklich sein. ZAGREUS wird für einige Wochen zum “Freiland” in dem
 grenzenlos geträumt werden kann und in dem gemeinschaftliches Essen genussvoll zelebriert wird.

www.blunier.de

 

I EAT – YOU EAT

Ein kulinarischer Kulturaustausch

24 / 11 / 10 bis 26 / 01 / 11

Was sind denn das für Leute in Pakistan, die entweder mit Maschinengewehren posieren oder von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht werden? Sind das nicht alles Terroristen? Was gehen die mich an?

Lasst uns zusammen an eine Tafel sitzen und köstliche orientalische Speisen essen.
Gaumenfreuden mit Granatapfel, Safran und Kardamon und jedes mal wenn jemand im Zagreus isst, isst jemand in Pakistan mit. Eine kulinarische Reise in ein Land das so anders ist als man immer in den Nachrichten sieht.

Im Vorfeld der Ausstellung hat die Künstlerin Caroline Hobkinson, die mit Essen als Medium arbeitet, 45 Familien in Pakistan besucht, auf ihren Sofas oder direkt auf dem Boden gesessen und sehr viel Tee getrunken, in die Kochtöpfe und Feuerstellen geschaut und Adressen gesammelt.

Jeden Abend wenn ein Essen im Zagreus stattfindet, bekommt eine dieser Familien ein Paket geschickt, mit den genauen Zutaten bis auf den letzten Krümel und einer genauen Anleitung wie man die einzelnen Gänge zubereitet. Eine kulinarische Luftbrücke wird geschaffen und parallele Dinner finden statt.

Du isst, und jemand in Pakistan isst mit. Dabei handelt es sich nicht um Entwicklungshilfe sondern um einen symbolischen Akt des miteinander Essens. Essen ist mehr als pure Nahrungsaufnahme, es ist Ausdruck einer Kultur mit Ritualen der Zubereitung und des zusammen Essens. Durch Essen interagieren wir am intimsten mit unserer Umwelt, wir verleiben sie uns ein.

Ieat-ueatfront-Kopie

Menü

Granatapfel Julep
Granatapfel, Minze, Vodka, Sekt

Dal Shorba
Serviert mit Taftan Fladenbrot, gewürzt mit Safran und Kardamon

Spinat-Walnuss Salad mit Granatapfelvinaigrette und Allgäuer Bergkäse

Entencurry mit frischen Curryblättern, Koriander und gehackten Mandeln

Lenkucheneis mit Ingwer und Marzipan Gebäck

Espresso oder Chai mit Kardamon aromatisiert

KUNSTHANDELN (1)

Elemente des Finanz(ierung)systems Kunsthandeln
Indizien / Kochscheine / Projekte
von Doris Koch

28 / 05 / 2010 bis 24 / 07 / 2010

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zuTATen
Im ZAGREUS PROJEKT überschneiden sich Galerie und Gastronomie. Die dort zu goutierenden künstlerischen und kulinarischen Konzepte sind aufeinander abgestimmt. Bereitet werden sie in einer Kooperation zwischen dem Koch und Galerist Ulrich Krauss und „in diesem Fall“ der Künstlerin Doris Koch.

Seit 2008 arbeitet die Künstlerin Doris Koch an der Konzeption eines komplexen Finanzsystem. Sie ist bekannt für die Entwicklung und Realisierung von Beteiligungsprojekten, die weniger im Kunstbetrieb vielmehr in gesellschaftlichen Kontexten verortet sind. Ihre neue Work in Progress das „Finanz(ierung)system Kunsthandeln“ reflektiert das globale Finanzsystem, funktioniert als Finanzierungsinstrument für ihre Projekte und realisiert eine Eigenart künstlerischer Praxis: die Anteil(s)nahme.

Als zentrale Elemente hat sie ihre seit 1998 laufenden Work in Progress „Kochscheine“ und „Indizien“ neben den „Projekten“ in das System integriert. Diese „zuTATen“ des Systems entwickeln, je nachdem wie „Anteil(s)nehmer/innen“ handeln, unterschiedliche Wechselwirkungen. Handeln die Anteil(s)nehmer/innen nicht oder in die falsche Richtung, dann gibt es eine Krise. Doch sind den Anteil(s)nehmer/innen in jedem Fall verschiedene Genüsse garantiert. Im Menü zur Ausstellung bekommen Sie genussvoll Ahnungen davon.

Eine besondere zuTAT ist der Indizienkomplex Zagreus: In den letzten Monaten konnte die Sicherstellungsbeauftragte Doris Koch in der Brunnenstrasse diverse Indizien sicherstellen. Diese wurden sachdienlich in der Dienststelle Büro komPleX bearbeitet. Die Indizienkette spürt den Arbeitsprozessen des Künstlers/Kochs/Galeristen Ulrich Krauss nach.

www.indizien.info
www.buerokomplex.net

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zum Menü zuTATen

mit dem Fokus auf bestimmte Tätigkeiten des Kochs aber auch des Gastes:

1. Mischen:
3 Teile Suppe: Tomate, Basilikum, Grieß

2. Kombinieren
Salat, Estrsagon, Tomate, Zwiebel, Kartoffel, Fisch,

3. Teilen
Polenta, Rind, Blumenkohl

4. Finden
Eier, Sekt, Früchte, Nüsse

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SONNENDECK

Ein Kunstprojekt von Pfelder

13 / 08 / 2005 – 15 / 11 / 2005

Schiffsrundfahrten in Berliner Galerie als neues ungewöhnliches Projekt des Berliner Installationskünstlers Pfelder

„Wenn ich nicht da bin, bin ich auf dem Sonnendeck.“, dieser Song von Peter Licht könnte das Motto sein für Pfelders neueste Projektidee, die ab 13. August in der Galerie Zagreus Projekt zu erleben ist: Schiffsfahrten auf dem Sonnendeck eines Ausflugdampfers oder einer Fähre. Jede Woche Mittwochs bis Samstags ab 20 Uhr werden die imaginären Fahrten gestartet. Dann heißt es an Bord gehen, Leinen los und abdampfen zu verschiedenen Touren auf den Flüssen unserer Republik.

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Ohne sich tatsächlich von der Stelle zu bewegen, werden die Besucher der Galerie Zagreus in der installativen Inszenierung SONNENDECK akustisch und mental auf die Reise geschickt. So geht es z.B. auf eine Hafenrundfahrt in Hamburg, der Geburtsstadt des Künstlers, oder auf Wesertour in Bremen, wo er zur Zeit ein Stipendium verbringt. Dann geht es wieder die Elbe entlang durch Dresden, hier studierte Pfelder in den 90ern, um dann auf Wannsee und Spree (hier wohnt Pfelder mit Blick auf selbige) anzukommen.

Die Reisenden befinden sich auf dem getreu nachgebildeten Sonnendeck eines Schiffes, das für einen Moment in der Galerie Zagreus anlegt. Auf der großen Fahrt werden den Gästen allabendlich Köstlichkeiten aus der heimischen Ausflugsgastronomie gereicht, mit einem Schwerpunkt auf ausgesuchten Fischspezialitäten.

Die Installation SONNENDECK von Pfelder steht in ihrer gesamtheitlichen Inszenierung für diese gewisse Sehnsucht des Unterwegsseins, des Entdeckens und des sich Treiben Lassens. Das SONNENDECK als Sehnsuchtsbild in unseren sommers doch oft verregneten Breiten. Und auch als positives Bild für den Übergang, die Überfahrt zu neuen Ufern.

 

SMUGGLING

María Linares, voll der Gnade

08 / 06 / 05 bis 30 / 07 / 05

In der Galerie „Zagreus Projekt“ präsentiert die kolumbianische Künstlerin María Linares „SMUGGLING – in two steps“: Eine Kunstaktion, die auf persönliche Erfahrungen basiert und mit Ironie easy to lern („in two steps“) dargestellt wird. Ausstellungsbesucher werden – nach dem Genuss eines speziell für „SMUGGLING – in two steps“ entwickelten Gerichts – untersucht und geröntgt.

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Das Gericht nennt sich „suspicious pellets“ und ähnelt in seiner Form den mit Kokain oder Heroin gefüllten Kügelchen, die von Drogenkurieren zum Drogentransport im Bauch benutzt werden. Die Künstlerin warnt, die Kügelchen „können gesetzeswidrige Substanzen enthalten“, und macht mit ihrer Aktion aus jedem Ausstellungsbesucher einen möglichen Drogenkurier. Um den Drogentransport zu beweisen werden anschließend automatisierte „Bauchportraits“ aufgenommen.

Zur Ausstellung gehört auch eine Fotodokumentation der Drogenuntersuchung mit Röntgenaufnahmen, die bei der Künstlerin selbst im Flughafen „Eldorado“ in Bogotá, am 29.08.2004, durchgeführt worden ist. Sie kam nach der Teilnahme an einer Ausstellung in Bogotá nach Deutschland zurück, wo sie ihren Wohnsitz seit neuen Jahren hat, wurde für „Verdächtig“ gehalten, in einen separaten Raum gebracht und geröntgt. Observationsaufnahmen eines ehemaligen Polizisten begleiten die Dokumentation der Drogenuntersuchung.

María Linares thematisiert ihre eigene Identität als Kolumbianerin – an jeder Grenze fast Synonym für Drogenverdächtige – sowie die Tatsache, dass jedermann mit der Situation konfrontiert werden kann, ein Drogenkurier zu werden, sei es bewusst oder nicht.
Bauchportraits sowie SUMGGLING-T-Shirts sind in der Galerie sowie im Internet unter http://smuggl.ing-24.com erhältlich.
„SMUGGLING – in two steps “ –gehört zu der Arbeitsreihe ING 24 von María Linares, welche sich auf den Moment des Ereignisses konzentriert, auf englisch mit der Form „-ing“ ausgedrückt.

 

Geschmacksverstärker

22 / 04 / 05  bis 31 / 05 /05

Installation von Ines Tartler

Ohne einen zugehörigen Ort können die Arbeiten von Ines Tartler nicht entstehen. Die Möglichkeiten eines ‘vor Ort Seins’ und seine Bedingungen sind prägend. Im Mittelpunkt steht die äußere Ausgangssituation zusammen mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung . Alles hat Bedeutung und wird miteinbezogen. Hieraus entstehen Räume und Installationen, Texte und Zeichnungen.
Entsprechend ihrer Arbeitsweise entwickelt Ines Tartler für diese Räume und Orte Arbeiten, die deren jeweiligen Inhalte (Rauminhalte) thematisieren, beziehungsweise freilegen und sichtbar machen. Die in sich greifenden künstlerischen Mittel und Informationsfragmente werden hierbei erst im Erfahrungskontext des einzelnen Besuchers vervollständigt.

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In der Arbeit „Geschmacksverstärker“ bezieht Ines Tartler erstmals in einer Arbeit den Geschmackssinn mit ein. Sowohl im Sinne des Schmeckens als auch des Gefallens. Geschmack ist einerseits das Vermögen, Dinge nach ästhetischen Prinzipien/Wertmaßstäben zu unterscheiden und zu beurteilen. Daneben beschreibt er ein subjektives Werturteil ‚was jemand schön oder angenehm‘ empfindet und ist gleichzeitig die Bezeichnung für die Grundqualitäten unserer Sinne: die Fähigkeit zu schmecken und, im übertragenen Sinn, einen eigenen Geschmack zu bilden.
Der Titel der Arbeit wird in all seinen Facetten beleuchtet. Die Galerie als Ort der Geschmacksbildung, Betonung oder Fokussierung ebenso, wie die Fragestellung, in welcher Zusammensetzung sich einzelne Einflüsse auf eine Wahrnehmung, einen Geschmack auswirken.

Die Galerie als Ort, an dem bestimmte künstlerische Positionen vertreten und gezeigt werden, die dadurch sichtbar werden und einen Einfluss auf den Betrachter nach sich ziehen…

Geschmacksverstärker (Glutamat) wird als künstlerisches Mittel eingesetzt. Sichtbar als glitzernde Wand, als minimale Verstärkung, trägt und überträgt dieser unauffällige Eingriff seine Bedeutungen und geschmacksverstärkende Aspekte auf den Raum und die Besucher.

Im Raum sind Einzeltische platziert, die das jeweilige Areal eines Gastes repräsentieren, das ihm persönlich zur eigenen Geschmacksbildung dient und die Konzentration auf die eigene Wahrnehmung verstärkt. Die Platzierung im Raum prägen zusätzlich den Charakter eines Platzes.

Als entsprechendes Menü werden diverse Speisen serviert, die aus dem Eigengeschmack der verwendeten puren (natürlichen einfachen) Zutaten entstehen. Ein Essen, das sich den tatsächlichen Geschmack der Speisen zueigen macht.

(Der Eigengeschmack der Speisen steht im übertragenen Sinn für den eigenen Geschmack einer Person an sich. Die (Überzeugungs-)Kraft des ‚gegessenen Eigengeschmacks‘ überträgt sich.)

Das Menü enthält alle Geschmacksrichtungen, spielt mit Konsistenzen, Temperaturen, Formen und Farben. Unterschiedlichkeiten als Kraft des Eigengeschmacks. Ein über den Zeitraum der Ausstellung wechselndes Menü entspricht dieser Auffassung der ständigen Veränderung: gegen die Langeweile des Gleichen, was wiederum das Glutamat aufgreift, das alles gleich macht: Masse, Gleichschaltung von Geschmack, Verallgemeinerung, Einebnen der Aromen, der verschiedenen Geschmacksebenen.
Das Essen wird als Terrain verstanden, in dem sich der Gast bewegt. Durch das Essen nimmt er die Inhalte auf, bzw. stellt weitere (eigene) Bezüge her.

(auch jeder Tätigkeit des Gastes während des Essens unterliegen weitere Bedeutungsebenen. ein Beispiel: im Auswickeln einer Speise, spiegelt sich eine ‚Entwicklung’…Komplexität!)

 

delicious moves

Ein visuelles und kulinarisches Erleben der legendären Bento Boxen
Ein Projekt von Hiroko Tanahashi

06 / 08 / 04 bis 30 / 09 / 04

BENTO: Japanischer Essbehälter, voller verschiedener Speisen. Wird von zuhause mitgenommen, auch für Picknicks und Reisen.
EKIBEN: EKI (Bahnhof) + BEN (Bento) Bentos, die am Bahnhof verkauft und auf der Zugreise verspeist werden.
KAKEGAMI: Das Gesicht eines Bento. Ein gefaltetes Papier, das den Namen und Inhaltsinformationen eines Bento kommuniziert. Darüber hinaus verführt es den Kunden zum Kauf.

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Die Installation:
Hiroko Tanahashi präsentiert die Ekiben Kultur, wie sie in Japan existiert, und stellt ihr ihre eigenen Ekiben-Ideen gegenüber und visualisiert sie. Die Ausstellung besteht aus zwei Räumen. Der erste, kleinere, ist ein kleines Museum für Ekiben mit echten Kakegamis. Der zweite, größere Raum zeigt eine Rauminstallation aus acht originalen 60er Jahre Zugsessel mit Klapptischen aus dem TEE dem Trans -Europa –Express und stehen in zwei Reihen, als bildeten sie einen Grossraumwagen.

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Hiroko Tanahashi erzählt mit ihren Grafiken seltsame Geschichten zwischen Fiktion und historischer Recherche. Sie spielt mit einer japanischen Tradition und mobiler Esskultur, nutzt aber das narrative Potential der Ekiban für Geschichten
über die Weltumrunderin Clärenore Stinnes, über den ersten Japaner auf der transsibirischen Eisenbahn oder einen Zeppelin über Tokyo.

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Wie japanisch sind die Kakegames von Hiroko Tanahashi? Warum wird die Kunst des Verpackens in kleine, effiziente Einheiten in Japan so wichtig genommen? Warum spielt das Visuelle beim Essen in Japan so eine große Rolle? Wie inszeniert kann das Konsumieren von Reiseproviant sein?
Das zentrale Motiv des Projektes sind die Spannung von Mobilität und Kulturunterschied, die sich inhaltlich in den Geschichten widerspiegeln,
aber auch formal in Hiroko Tanahashis Vorgehen und ihrer Biographie zeigen.

Das bewegende Abendmahl:
Bis zu 16 Reisende können eine kulinarische Reise unternehmen. Sie sitzen in echten Zugmöbeln. Ulrich Krauss serviert Bento Schöpfungen in Zusammenarbeit mit Hiroko Tanahashi, die von ihren imaginären Ekiben inspiriert sind. Die Gäste unternehmen eine Reise, auf der sie mehr als eine Bento Box verspeisen.