Ausstellung

VIER SCHINKEN

von und mit

Fritz Bornstück
Axel Geis
Lennart Grau
Sador Weinsčlucker

eingeladen von Peter Ungeheuer

29 / 11 / 18 bis 03 / 02 / 19

Festgehalten auf der Leinwand sind Stillleben als Kompositionen mehr oder weniger lebloser Dinge sicherlich eine der wichtigsten Spielarten figurativer Malerei bis in die Gegenwart. Im niederländisch-deutsch-englischen Sprachgebrauch mit dem Wort „Leben“ verbunden, im französisch-italienischen mit dem Tod. Beides gehört untrennbar zusammen, weckt jedoch denkbar unterschiedliche Assoziationen. Die ausgewählten Positionen sollen beispielhaft für vier komplementäre Herangehensweisen an zeitgenössische Stilllebenmalerei stehen.

Sador Weinsčlucker zagreus galerie koch kunst catering
Sador Weinsčlucker

Lennart Graus Arbeit „Der hohle Zahn“ verweist in Bildaufbau und -thematik auf die klassischen Vorbilder. Ein Paar Stoßzähne und ein (doch nur schlafender?) Widder sowie die ihm eigene Farbigkeit und Technik transportieren das Bild eindeutig in unsere Gegenwart. Sador Weinsčlucker malt hingegen im klassischen Sinne nicht repräsentativ. Der Schinken versteckt sich eher im Hintergrund des Küchentischs, das Geschirr hat bereits einige Macken, dazu Flaschen, Gläser und Messer im Überfluss – der Künstler spielt in seiner Arbeit „dann sind wir hier“ mit der Bildsymbolik der Natura Morta. Man fragt sich, wie sich das Quietscheentchen mit Nikolausmütze ins Bild verirrt hat. Und andererseits wirkt es doch selbstverständlich. Auch Fritz Bornstück holt sich für seine Arbeit „Charade (Nevermind Big Edd)“ Inspiration im holländischen goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts. Sein „Bankettstück“ stammt aber unverkennbar aus unserer (Berliner) Zeit, es protzt nicht mit Geschirr und Tafelsilber. Der durchaus lebhafte Protagonist hinterlässt seine Spuren im Nachtleben und die Bierdose ist hier und heute das Äquivalent der Zinnkanne.

Fritz Bornstück zagreus galerie koch kunst catering
Fritz Bornstück

„Antragende“ von Axel Geis schließlich stellt uns gleich vor mehrere Rätsel. Eine Kellnerin im auffällig schicken Kostüm serviert uns zwei Clochen, die einerseits die Temperatur halten, andererseits vor ungeduldigen Blicken schützen sollen. Die Dame ist ebenso schwer einer Zeit zuzuordnen, wie der Künstler es uns überlässt, zu überlegen, was der Koch angerichtet hat.

Lennart Grau zagreus galerie koch kunst catering
Lennart Grau

Mário de Andrade (1893 – 1945) beendet das ihm zugeschriebene Gedicht „Meine Seele ist in Eile“ mit den Worten: „Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eines hast.“ Die vier Künstler schenken uns mit ihrem Blick auf (größtenteils) leblose Dinge auch eine jeweils eigene Perspektive auf die Freuden des Lebens. Das ist auch eines der verbindenden Elemente mit der Kochkunst von Ulrich Krauss, der zu jeder Arbeit einen passenden Gang für das Menü „Vier Teller“ konzipiert hat.

Axel Geis zagreus galerie koch kunst catering
Axel Geis

© Peter Ungeheuer, Oktober 2018