Finanz(ierung)System Kunsthandeln
ES GEHT ANS EINGEMACHTE
Konzeptkunst und Permakultur von Doris Koch
08 / 10 / 26 bis 26 / 28 / 11 / 26
Eröffnung am Donnerstag, 8. Oktober ab 19:00 Uhr
Seit 2008 arbeitet Doris Koch an einem ungewöhnlichen Work in Progress dem „Finanz(ierung)system Kunsthandeln“ (FISKU). Es reflektiert Aspekte des globalen Finanzsystems künstlerisch, macht sie erfahrbar und dient zugleich zur Finanzierung ihrer künstlerischen Arbeit.
Das FISKU hat drei Elemente: die Wertpapiere oder Währung, die Produkte alias Indizien, die Produktion alias hier in der Ausstellung der Garten.
In der Ausstellung befindet sich an der hinteren Wand ein Tresor mit dem brandneuen sechsten Kochscheinstoß. Zum Termin der Ausstellungseröffnung beginnt die Neu-Emission dieser Kochscheine. Die werden das erste Mal ausgegeben. Sie können einen oder mehrere Scheine gegen Euro tauschen. Besitzen Sie Kochscheine, so sind sie Anteilnehmer*in am FISKU und haben Genussrechte.

Kochscheine sind Tauschmittel wie Geld, sie sind Genussscheine wie entsprechende Wertpapiere, vor allem aber sind sie Kunst! Sie sind Objekte des Kunsthandelns: das Zeichnen und Tauschen ist in der Ausstellung möglich. Das Kunsthandeln der Anteilnehmer*innen bedingt den Wert der Kochscheine. Das wiederum wird abgebildet in einem eigenen Performance-Index KUPEX analog zum DAX …
Doris Koch hat 2022 ihr Atelier in Kreuzberg verloren und kann sich in Berlin keine Arbeitsräume mehr leisten. In der Folge ist sie in einem Kleingarten in Mecklenburg-Vorpommern gelandet. Dort hat sie begonnen sich mit Permakultur zu beschäftigen und einen Waldgarten anzulegen. Das Konzept der Permakultur geht weit über den Gartenbau hinaus und bezieht alle Bereiche des Lebens ein. Es ist eng verbunden mit der Suche nach einem neuen Wirtschaften, das auf 1. der Sorge um die Erde, 2. auf der Fürsorge für Menschen und 3. auf dem gerechten Teilen und der Selbstbeschränkung basiert.
Der Titel der Ausstellung: „Es geht ans Eingemachte“ bezieht sich doppeldeutig auf die gegenwärtige individuelle und politische Situation. Es ist ernst – auf allen Ebenen. Wir müssen konkret Lösungen schaffen, an einer systemischen Transformation unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens kommen wir nicht mehr herum und das bedeutet auch an der Transformation des Finanzsystems: Was bedeutet gerechtes Teilen und Selbstbeschränkung? Wie sieht die Fürsorge für Menschen in unserer Gesellschaft aus? Was können wir tun, um die Erde für Generationen nach uns bewohnbar zu halten?
„Es geht ans Eingemachte“ ist auch der Ansatz für das Menü: Beim Einmachen werden vier Geschmacksnuancen unterschieden: süß, sauer, salzig und würzig. Beim Anbau im Garten haben Pflanzen verschiedene Funktionen, die so kombiniert werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen.
Die Künstlerin Doris Koch arbeitet seit 1991 mit partizipativer, künstlerischer Praxis in gesellschaftlichen Kontexten. Themen, die sie bearbeitet hat sind u.a. Büroflächenüberschuss in Berlin (1996), Verlust von Obstbaumwiesen (1998), Randlagen (1999-2001), Löcher-Fehlendes im Stadtraum (2003). Sie arbeitete mit 12 Dörfern (2005-2007) oder in einem Park mit Drogendealern (2005-2007). Ihre Projekte waren weniger im Kunstbetrieb vielmehr im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext verortet.
Zur Eröffnung servieren wir einen Auszug aus dem Menü.